Grenz- bzw. Schnadsteine in der Bökenförder Gemarkung

 
Von Dirk Ruholl

 
In der Bökenförder Gemarkung finden sich zu den Nachbardörfern keine alten Grenz- bzw. Schnadsteine. Das liegt zum einen an der besonderen geologischen Lage des Dorfes und zum anderen an der eindeutigen Situation der Besitzverhältnisse. 

Eine echte Grenze, nämlich sogar eine Landesgrenze zwischen Westfalen und Lippe zog sich westlich von Bökenförde durch die Gemarkung. Die Weihe war als Fluss von lippischer Seite als Landwehr ausgebaut worden und bot seit alters her eine natürliche Grenze. Schwieriger war die Situation sicherlich noch zu Zeiten, als das Dorf Ussen bestand, denn Ussener Besitzungen lagen sowohl im lippischen Gebiet als auch im westfälischen. Das ist dadurch zu erklären, dass Ussen noch vor Gründung der Stadt Lippstadt bestanden hat.

Die Landesgrenze wurde als Landwehr von lippischer Seite gepflegt. Daher finden sich bis heute dort keinerlei Grenzsteine.

Ebenso verhielt es sich mit der Grenze zu Bad Westernkotten, wo die Pöppelsche und in der Verlängerung die Gieseler gleichsam eine natürliche Grenze bilden. Südlich von Bökenförde verlief die Bökenförder Landwehr, die aus einem Graben mit Strauchwerk bestand und dem Dorf Schutz vor der „Autobahn des Mittelalters“, dem Hellweg bot. Umherziehendes Volk als auch Söldner wurden dadurch gehindert, nach Bökenförde zu ziehen, um vielleicht zu plündern. Diese Landwehr setzte an der Gieseler an und verlief parallel des Hellwegs Richtung Geseke. Der „Lanftergraben“ bildet bis heute die Gemeindegrenze zu Eikeloh.

Die Grenze zur Langeneicker Gemarkung bildet eine Straße und ebenfalls ein Graben. Ebenso verhält es sich zum nördlichen Nachbarn, Dedinghausen.

Neben einigen Grundherren mit Besitzungen in Bökenförde gab es in der heutigen Gemarkung das bedeutende, bis ins 20. Jh. eigenständige Schloss Schwarzenraben. Die einzigen bekannten alten Schnadsteine in der Bökenförder Gemarkungen wurden zwischen den Herren von Hörde zu Schwarzenraben und den Bökenfördern gesetzt. Als es 1650 zu einer Auseinandersetzung des Hauses Schwarzenraben und einigen Bökenfördern kam, bekannt als sog. Schafskrieg, einigte man sich 1652 darauf, einen Schnadstein aufzurichten: „Der Grüne wegh, welcher von den Linden nach dem Dorpfe gehet, sollte die Grenze bilden. Von diesem Stein ist allerdings nichts weiter bekannt. Anders verhielt es sich 1806, als 6 Grenzsteine zwischen den Besitzungen derer von Hörde uns dem Amtshofbesitz, dessen Eigentümer das Domkapitel Paderborn war, gesetzt wurden. Von den 6 Schandsteinen sind noch 3 bekannt.

 

1. Schnadsteine des Herrn von Hörde (HVH) von 1806

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss wurde 1803 das Ende des Heiligen Römischen

Reiches Deutscher Nationen besiegelt und die Säkularisation eingeleitet. Damit verloren alle Klöster und Domkapitel ihren weltlichen Besitz. Die Klöster wurden aufgehoben. Für Westfalen bedeutete dies, dass die Domkapitel und Klöster eine riesige Menge Landbesitz an den Staat abgeben mussten. Unter französischer Vorherrschaft erlangte der Staat somit einen gewaltigen Zuwachs an Besitzungen. Für Bökenförde und das Domkapitel bedeutete dies, dass der Amtshof, der im Jahre 1005 an das Paderborner Domkapitel verschenkt worden war, nunmehr Staatseigentum wurde. Auch die Herren von Hörde auf Schwarzenraben mussten bangen, einen Teil ihres Besitzes, der vom Domkaptiel verlehnt worden war, zu verlieren. Daher entschied man sich, den Amthofbesitz von dem Schwarzenrabener Besitz deutlich zu trennen. So wurden im Jahre 1806 die Grenzen zwischen dem sog. von Hördischen Gerstholz und dem von Wendt´schen Gehölz, das zum Amtshof gehörte, begangen und mit 6 Schnadsteinen besetzt. Conrad Eickenbusch gen. Vogel wurde als Verwalter des Amtshofes im Namen des Freiherrn v. Wendt zu Crassenstein, der wiederum vom Paderborner Domkapitel den Bökenförder Amtshof als

Lehnen bekommen hatte, mitgeschickt. Das Gerstholz nördlich des Russenwegs, der

Amtshofbesitz südlich des Weges Richtung Bökenförde. Beide Seiten waren damals Gehölz, d.h. kein richtiger Wald und keine Ackerfläche, wie die Fläche heute überwiegend genutzt wird.

Die Schnadsteine wurden an einer Seite mit einer Nummer versehen und der Jahreszahl

1804. Um sicherzugehen, dass der Besitz nicht strittig werden konnte, datierte man den Grenzgang zwei Jahre vor. Die Seite, die zum von Hörd`schen Besitz zeigte, trägt die Abkürzung „HVH“.

 

In den Akten im Staatsarchiv Münster heißt es hierzu: „Vom Südende des von

Wendt`schen Gehölzes und den von Hördischen Gründen befindet sich ein Siepen oder Abflussgraben, welcher beiderseits als die Schnade anerkannt wurde. Nicht weit davon wurde nach Norden ein Grenzstein No. 1 gesetzt. 320 Schritt weiter in nämlicher Richtung No. 2.

No. 3: 350 Schritt weiter in grader Richtung, in der Art gesetzt, dass No. 1 und 2 auf die flache Seite des letzten weisen. Was ostseits dieser Steine liegt, ist von Hördischer Besitz, westseits gehört es der Familie von Wendt.

No. 4: 150 Schritt von Westen nach Osten grade gegangen, No. 3 auf flache Seite von

No. 4. Nordseite von No. 3 und 4 in grader Richtung Wendtscher Besitz, Südseite von Hördischer Besitz.

No. 5: nach Norden 145 Schritt, zwischen No. 4 und 5 verlaufen die Grenzen nicht in grader Richtung.

No. 6: 200 Schritt, bei No. 5 nach Westen etwas drehen.“

 



    

linkes Bild: HVH Nr. 5 am Scheinebach  

rechtes Bild: Grenzstein, wahrscheinlich HVH NR. 1, am Graben parallel zur Kreuzstraße hinter dem Wohnhaus der Familie Neumann (Nr. 22)


  
Der Stein HVH 1 befindet sich heute noch am Graben an der Kirchensiedlung, Wohnhaus der Familie Neumann, am Ende der alten Kirchensiedlung. An dem Graben am Russenweg, der südlich Richtung Siedlung verläuft, befindet sich der Grenzstein HVH 4, weiter oben am Scheinebach, ca. 200 m nördlich des Linnekampes steht HVH 5.

 

 

2. Schnadstein am Dreiländereck

Als 1975 die „Kommunale Neuordnung“ die eigenständigen Gemeinden zu Ortsteilen machte und sie den Städten beiordnete, wurde zur bleibenden Erinnerung an die drei benachbarten Gemeinden Eikeloh, Langeneicke und Bökenförde, die nun unterschiedlichen Städten zugeteilt wurden, ein Grenzstein gesetzt. Am sog. Dreiländereck, wo die drei Gemeinden an Falkensteins Kreuz zusammentreffen, führen seither sogar drei Stadtgrenzen zusammen: Erwitte, Geseke und Lippstadt. Beim letzen Schnadgang vor der kommunalen Neugliederung wurde am 1. Mai 1974 ein Findling mit den drei Gemeindewappen gesetzt und außerdem drei Birken gepflanzt. An dem Festakt, bei welchem der MGV Bökenförde Lieder vortrug, nahmen Dorfbewohner aus den drei Gemeinden sowie Vertreter des alten Amtes Störmede und der Stadt Lippstadt teil.



Schnadstein am Dreiländereck von 1975

 
Im Jahre 1999 nahm sich der Heimatverein Bökenförde des Kreuzes an, das zerbrochen im Graben lag, und restaurierte das Steinkreuz. Beim Schnadgang im Jahr 2000 wurde an dieser Stelle der Kommunalen Neugliederung vor 25 Jahren gedacht. Hierzu konnte der Heimatvereinsvorsitzende Reinhold Brinkhaus den ehem. Amtsdirektor Lukas Schaa sowie Vertreter aus Langeneicke und Eikeloh begrüßen. Auch der MGV brachte wie damals schon Liedbeiträge zu Gehör.

 

3. Schnadstein zwischen Bökenförde und Dedinghausen


Auf Initiative des Heimatvereins und des sehr engagierten Ortsvorstehers von Bökenförde, Reinhold Brinkhaus wurde beim Schnadgang des Heimatvereins Bökenförde 1998 zusammen mit einer Gesandtschaft aus Dedinghausen dieser Schnadstein eingeweiht. Er wurde vom Bürgerring Dedinghausen und Heimatverein Bökenförde gestiftet und steht an der Kreuzung Am Bruch/An der Bienenhütte.




4. Schnadstein zwischen Bökenförde und Bad Westernkotten


Schnadstein von 2002

 

Im Jahr 2000 wurde über das sog. Engelberts-Schemm eine Holzbrücke erbaut, um eine

Fuß- und Radwegeverbindung durch das Merschfeld zwischen Bad Westernkotten und Bökenförde zu schaffen. In diesem Zusammenhag ist auch der Milchweg als Fuß- und Radweg entlang der Weihe verlängert worden und eine Schutzhütte kurz vor der hölzernen Brücke über die Gieseler errichtet worden. Mit dem Rad-Fußweg im Merschfeld wurde ein langer Wunsch der Bökenförder und Bad Westernkottener Dorfbewohner erfüllt. Somit steht mit der Brücke über die Gieseler eine Fuß- und Radverbindung nach Bad Westernkotten zur Verfügung. Nachdem am 3. Oktober 2000 der Wander- und Radfahrweg vom Milchweg zum Muckenbruch eröffnet wurde, stifteten die Heimatfreunde aus Bad Westernkotten und der Heimatverein Bökenförde einen von Steinmetz Koch aus Geseke gefertigten Grenzstein. Er wurde beim Bökenförder Schnadgang am 3. Oktober 2002 zusammen mit einer Delegation aus Bad Westernkotten dieser Schandstein eingeweiht. Er steht auf Bökenförder Grund am Ende des Milchweges. Zugleich stiftete der Heimatverein Bökenförde eine Esche, die gemeinsam mit einer Urkunde, auf der alle Teilnehmer unterschrieben, gesetzt und eingegraben wurde.

 

5. Schnadstein auf dem Hof zur Osten

Dieser Schnadstein steht auf dem Hof zur Osten, wo er ebenfalls als Schnadstein vom Heimatverein Bökenförde während des Schnadganges im Jahre 2000 eingeweiht wurde. Er ist versehen mit einem Hinweis, denn der Hof zur Osten gehört zu Bökenförde und ist der südlichste Punkt des Lippstädter Stadtgebietes.

 


6. Schnadstein zwischen Bökenförde, Dedinghausen und Rixbeck


 
Zum 20-jährigen Bestehen des Heimatvereins Bökenförde wurde in der Nähe des Dreiländerecks Dedinghausen-Rixbeck-Bökenförde an der Straße Oberdorf/Am Stern beim Schnadgang am 18. Mai 2014 ein Schnadstein vom Heimatverein Bökenförde gesetzt. Weil in Rixbeck an dem Sonntag Schützenfest stattfand, erschien nur eine Delegation aus Dedinghausen.


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